Wolfgang Tillmans, Freischwimmer 52 (aus München Installation 1991-2004), 2004, Bayerische Staatsgemälde-

sammlungen - Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München | Courtesy Galerie Buchholz

Glitch

Die Kunst der Störung
Pinakothek der Moderne 12.1.–17.3.2024

Zerbrochene Smartphone-Displays, ein Knistern in der Radioübertragung, eingefrorene Bilder im Videocall. Erst im Moment der Störung richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf die Beschaffenheit der technischen Medien, die uns täglich umgeben, ohne sich dabei jedoch selbst in den Vordergrund zu drängen. Als eine der jüngsten und unberechenbarsten Kunstformen lenkt die Glitch Art gezielt das Augenmerk auf die produktive Seite des Fehlerhaften. Zunächst in den 1950er Jahren im Fachjargon von Radio- und Fernsehtechniker:innen verwendet, beschreibt der Terminus Glitch (frühneuhochdeutsch „glitschen“ – gleiten, gleiten lassen – oder jiddisch „gletshn“ – rutschen, weggleiten) bald im Kontext von Computerspielen Programmier- oder Grafikfehler. Ein Glitch ist somit das unerwartete Ergebnis einer Fehlfunktion, die neben Computerspielen auch bei anderweitiger digitaler Software auftritt. Im Kunstkontext finden technische Störungen ebenfalls ihren unmittelbaren Ausdruck im Bereich computergenerierter Bilder und des Digitalen. Die Wurzeln technischer Glitches gehen aber bereits auf die Frühzeit der Fotografie zurück; sie nehmen als künstlerische Gegenbewegung zu anerkannten Ausdrucksformen ihren Verlauf von der Fotografie über den Avantgardefilm, Video- und Soundkunst bis hin zu den digitalen Bildmedien und der Netzkunst, indem Bildstörungen bewusst provoziert oder gezielt programmiert werden.

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Glitch

The Art of Interference
Pinakothek der Moderne 12.1.–17.3.2024

Broken smartphone displays, crackling radio broadcasts, frozen images during a video call. Only when there is an interference is our attention directed to the nature of the technical media that surround us every day without, however, it becoming the centre of attention.
As one of the youngest and most unpredictable art forms, glitch art specifically draws attention to the aesthetics of the flawed. Initially used as technical jargon among radio and television engineers in the 1950s, the term glitch (from the Yiddish gletshn, meaning to slip; to slide away) was soon introduced into the world of computer games to describe programming or graphic errors. A glitch is the unexpected result of a malfunction that occurs in computer games as well as other digital software, including video and audio. In the art context, glitch finds its immediate expression in the field of computer-generated imagery, the digital and net art. However, its roots go back to the early days of the history of photography, take its course form there as an artistic counter-movement to recognised forms of expression via avant-garde film, video and sound art to digital image media and net art, where glitches are intentionally provoked or deliberately programmed.

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