
Gernot Wieland, Family Constellation with a Fox, 2025, Videostill © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Gernot Wieland
Gernot Wieland in Vienna
Phileas | 30.01. – 18.04.2026
Zum Auftakt des Jahres zeigt Phileas eine Videoinstallation des österreichischen Künstlers Gernot Wieland, die 2025 auf der 13. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst erstmals präsentiert wurde. Der Film mit dem Titel Family Constellation with a Fox wurde von Phileas koproduziert und ist zum ersten Mal in Wien zu sehen.
Im Zentrum des Films steht der Versuch, tief verwurzelte kollektive Wunden zu heilen und Unausgesprochenes offenzulegen. Als Therapiemittel dient hierbei eine imaginäre Familienaufstellung des Ich-Erzählers. Diese findet im Bauch eines Wales statt, begleitet von großen Persönlichkeiten wie Karl Marx, Walter Benjamin und Ingeborg Bachmann. Keramikfiguren stehen stellvertretend für das Ego, Familienmitglieder, das Umfeld der Kindheit und das psychoanalytische Über-Ich des Erzählers.
Wieland nähert sich auf tragikomische Weise den historisch gewachsenen Traumata einer westlich und männlich geprägten Kunstgeschichte – und jenen Mechanismen, die bis heute gesellschaftliche Ungleichheiten aufrechterhalten. Seine kulturhistorische Familienaufstellung legt Machtstrukturen offen, ohne jedoch die Verluste heilen zu können, auf denen dieses System beruht. Die ruhige Off-Stimme des Künstlers leitet durch ein Geflecht aus Erinnerungssequenzen, in denen Wirklichkeit und Imagination nahtlos ineinander übergehen. So verschmelzen seit Generationen überlieferte Märchen, skurrile Geschichten eines Fuchses und biblische Erzählungen mit persönlichen Kindheitserinnerungen und historischen Bezügen. Eine Abfolge aus Filmaufnahmen, Kinderzeichnungen, handschriftlichen Skizzen und Knetfiguren begleitet den Erzählstrang und spiegelt den immer wieder abschweifenden Gedankenfluss des Erzählers wider. Mit subtilem Humor und unterschwelliger Ironie erkundet der Film verdrängte Erlebnisse und Erinnerungen, in denen die Schatten von Gewalt, Verlust und Schweigen spürbar bleiben.
Gernot Wieland
Gernot Wieland in Vienna
Phileas | 30.01. – 18.04.2026
Phileas opening exhibition of the year presents a video installation by Austrian artist Gernot Wieland, first shown at the 13th Berlin Biennale for Contemporary Art in 2025. The film, entitled Family Constellation with a Fox, was co-produced by Phileas and is now being shown in Vienna for the first time.
The work revolves around the attempt to heal collective, inherited wounds and to bring what has long remained unspoken to the surface. The artist envisions a family constellation as a form of therapy — one that takes place inside the belly of a whale, accompanied by personalities such as Karl Marx, Walter Benjamin and Ingeborg Bachmann. Ceramic figures stand in for the narrator’s ego, family members, childhood environment and psychoanalytic superego.
With tragicomic irony, Wieland approaches the generational traumas of male-dominated Western art history and the mechanisms that continue to uphold social inequalities. His cultural and historical family constellation exposes the underlying structures of power, yet cannot mend the losses on which they are built. Guided by the artist’s calm voiceover, the film drifts through a network of memories in which reality and imagination seamlessly converge. Fairy tales passed down through generations, the curious adventures of a fox and biblical narratives merge with childhood memories and fragments of history. A sequence of film footage, children’s drawings, handwritten notes and clay figures accompanies the narration, mirroring the meandering, associative flow of thought. With subtle humour, the work explores repressed experiences and echoes of the past, in which the shadows of violence, loss and silence remain present.